Kalkutta 2015

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Dakshineswar Kali Temple

 

Es war das Jahr 2008 in dem ich diese verrentete Französin, beim Frühstück im Blue Sky Cafe, kennen lernte.

Sie sprach langsam, leise und irgendwie seltsam.
Es war damals ein eher „normales“ Gespräch unter Rucksackreisenden.
Meine damalige Reise näherte sich dem Ende und ich hatte mittlerweile 10 Wochen Indien- Erfahrung in mir. Mit all den Höhen und Tiefen die man sich so vorstellen kann.

Doch diese Frau…

Ich kann mich nicht mehr an ihren Namen erinnern, geschweige denn an den Inhalt unseres Gespräches, bis auf eine Antwort von Ihr die in Wirklichkeit gar keine war, aber mich bis heute immer noch an Sie erinnert.

3Monate bin ich in diesem Land, antwortete sie, als ich fragte wie lange sie hier sei.

Und in welche indische Stadt geht es als nächstes, nach KALKUTTA? Fragte ich.

Sie: „Nein, ich habe doch eben erwähnt dass ich 3Monate in diesem Land sein werde“.

Dabei hielte sie ihre Kaffeetasse, mit abgebrochenen Henkel, in beiden Händen und lächelte mich an!

Mir war klar: Kalkutta hatte sie in ihren Bann gezogen!

Es ist eher schwierig zu verstehen für jemanden der solche individuelle Dinge noch nie getan hat bzw. noch nie in Indien war.
Ganz besonders für uns westliche Menschen. Es fehlt oft die Vorstellung und Fantasie für so etwas.
In einer digitalen Zeit wo alles wissenschaftlich belegt sein muss/ ist. Wo alles erforscht sein muss um daran zu glauben.
Statistiken, Beweise, Zahlen und Fakten. Nur damit scheinen wir uns sicher und vertraut.

In Ländern wie z.B. Indien kommt man damit nicht weit!

Damals fragte ich nicht diese Frau warum Sie 3Monate in Kalkutta bleibt. Sie hätte mir es ohnehin nicht beantworten können. Ich nahm es einfach hin!

Heute wird mir immer mehr bewusst wie sehr ich an ihre Stelle trete.

Kalkutta:
Hart und sanft, laut und leise, schmutzig und sauber, arm und reich, hoffnungslos verloren und doch hat es eine grandiose Zukunft. Sagt man!

Jeder einzelne Mensch auf der Straße scheint so bedeutungslos und doch erfüllt er seinen Platz in dieser riesigen Metropole. Ein kleiner Mensch scheint eine große Lücke zu schließen.
Es macht den Anschein, als könnte die Stadt genau ohne diese verlorene Menschenseele nicht Atmen.
Aber diese Stadt atmet!
Alles, auch all das Schlechte, ergibt dieses Bild der Harmonie.

In keiner anderen Stadt kann ich so etwas erkennen, so etwas fühlen.
Keine andere Stadt zieht mich so an wie Kalkutta.
Kalkutta du wirkst wie ein Magnet.
Kalkutta ich komme ganz sicher wieder!!!

 

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On the streets of Kolkata 2015

 

Manchmal werde ich gefragt ob ich keine Bedenken hätte solchen Menschen so nahe zu kommen.

Manchmal habe ich genau deshalb Bedenken an solchen Menschen, die mir so eine Frage stellen!

Die obdachlose Sumina ist eine Hindu und ich kenne sie seit 2008. Sie lebt schon immer auf der Strasse in Kalkutta unter einem Stück Folie das ihr einziger Schutz ist.
Ich freue mich immer wieder, wenn ich zurück komme, dass sie noch lebt.
In solch einem Land und in solch einer Stadt ist das nämlich nicht selbstverständlich!

Erst vor kurzem nahm ich dort Abschied von einer Freundin die sich 18 jahrelang für die Straßenkinder von Kalkutta aufopferte bis sie selbst, durch einen Unfall, zum Opfer dort wurde!

Egal welche Hautfarbe, Herkunft, Religion oder Lebensstandard, Sie alle sind genau so Mensch wie du und ich!

Lebt in Frieden…

Du hast so viel wertvolles getan!

R.I.P Sabine K.

__________

People ask me sometimes if I have any concerns about getting so close to such people.

It is not seldom that I do have concerns about such people who ask me this question.

Sumina is homeless. She is a Hindu. I have known her since 2008. She lives on the Streets of Kolkata. She lives underneath a thin layer of foil which is her only protection. Every time I return to Kolkata I am happy to see her still alive. That is not to be taken for granted in this country or city!

Just recently a dear friend of mine passed away here. She devoted 18 years of her life to help the street children of Kolkata until she herself became a victim.

No matter what the color of their skin is, their origin, religion or living standard. They are human beings like you and me!

Live peacefully…

Translation by Marco Steffan

You´ve done so much good things!

R.I.P Sabine K.

 

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